Weltstar Franz Erhard Walther

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Darüber wie man in den 50er Jahren den partizipativen Charakter seines Werkes in Deutschland beurteilte gab und gibt Walther sich keiner Illusion hin. Ein halbes Jahrhundert später nimmt er es mit einem Lächeln, schließlich führte ihn diese Erkenntnis direkt nach New York und bereits 1969 ins Moma.

FullSizeRender-2Der internationale Trubel durch die Ehrung zum ‚Besten Künstler‘ der 57. Biennale mit dem Goldenen Löwen ist noch nicht abgeklungen und schon geht es für Franz Erhard Walther mit einer der wichtigsten deutschen Ehrungen, dem Aachener Kunstpreis weiter. ‚Es ist fast ein bisschen viel‘ gibt der 77-jährige am Rande der Veranstaltung zu Protokoll, um auch gleich mit einem freudigen Lachen erkennen zu geben, dass ihn die immer weiter ansteigende Beachtung und Würdigung für sein komplexes Werk über die Maßen erfreut. Zudem merkt man ihm an, dass es seinen Schaffensdrang noch mehr anspornt und er sich bereits wieder auf das in den Weinbergen von Fulda idyllisch gelegene Atelier freut. Bemerkenswert ist die maximale Unaufgeregtheit, mit der er kurz vor der Verleihung den Gästen nahezu intuitiv eine Werkvorführung bietet. Mit spielerischer Leichtigkeit gelingt es ihm seine zentralen Fragen von ‚Sockel und Werk – Lager- und Werkform‘ plastisch begreifbar zu machen. Eine Wandformation bliebe ohne den Benutzer Fragment, würde aber gleichzeitig durch die Nutzung durch den Perspektivwechsel des Betrachters abermals zum Fragment, da sie durch ihn somit nicht mehr ganzheitlich erfahrbar sei. Belohnt werden würde er jedoch mit der Werkerfahrung. Richtig oder falsch? Sicherlich eine Frage, die jeder selbst am einfachsten durch das Erleben seiner Wandformationen oder auch Schreitstücke beantworten kann. ZKM Direktor Professor Peter Weibel scheute in seiner Laudatio dann auch nicht davor zurück Walther in einem Atemzug mit Brancusi und Duchamp zu den großen Revolutionären der zeitgenössischen Skulptur zu erheben. So ist es also ratsam keine Gelegenheit auszulassen, den Meister persönlich bei einer Aktivierung zu erleben. Das Werk Walthers ist nicht nur direkt erfahrbar, sondern jede Praxis sticht hier die Theorie. Chancen dazu gibt es derzeit genug, da zahlreiche große Häuser ihre häufig sehr frühen Ankäufe aktuell aus den Magazinen holen und stolz in die ersten Reihen rücken. Eine entsprechende Würdigung des Marktes erfolgt bereits in der aktuellen Auktionsrunde, auch wenn die Preise hier noch immer sehr moderat sind. Ein Einstieg ist auch im einstelligen Tausender Segment noch bei Werkzeichnungen sowie den häufig herausragenden Multiples möglich. Derzeit sind kontinuierlich Ausstellungen auf Tour und für dieses und das kommende Jahr scheint hier auch vorerst kein Ende in Sicht. Klare Indikatoren, dass auch der Markt nur eine Richtung kennen wird – nach oben. Also: Ehre wem Ehre gebührt und abermals Glückwunsch an den großen Franz Erhard Walther.IMG_4428 „Weltstar Franz Erhard Walther“ weiterlesen

Penck wir werden Dein Lachen vermissen!

FullSizeRender-1Der Kölner Künstlerfotograf Benjamin Katz hat viele Facetten des scheinbar immer präsenten Humors von A. R. Penck eingefangen. In seinen wundervollen Werken und in den Gedanken an ihn wird er erhalten bleiben.

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Franz Erhard Walther @ Reina Sofia Madrid

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The work of Franz Erhard Walther (Fulda, Germany, 1939) spans a period from the late 1950s to the present day. It anticipates many issues that came to the fore in later art history, such as the condition of the artistic object (sculpture, its materials, techniques and uses) and the nature of the viewer as receiver and participant.

A Place for the Body, the first major anthological exhibition to be held in Spain on Franz Erhard Walther, presents a large number of sculptures, drawings, paintings, photographic documentation and archive material from the whole of his career. The exhibition is articulated around the two main themes of action and language.

Walther sees his sculptures as places for the body, inhabitable spaces that modify their appearance and significance in accordance with multiple formal solutions, and also with the actions (which the artist terms “activations”) suggested to the public by the artist and the works themselves. By these means, the artist reinterprets the definition of the artistic object, as well as the relationship between art and the viewer. For Franz Erhard Walther, the body in itself is already the sculpture.

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Since the early sixties, Walther has been using textiles in the configuration of his works. Couture here functions as a constructive principle, rather as 20th century collage and assemblage do when they are conceived as processes for the approximation of art and life. Their undeniably tactile appearance, reinforced by a complex use of color, gives these works a ludic character replete with possibilities. In the artist’s own words, these textile prototypes become “a set of conditions rather than a finite object”.

Walther’s work with textiles and its use within the framework of an action might appear at first to bear a relation with the initiatives that emerged in Brazil in the 1960s, such as Hélio Oiticica’s Parangolés, Lygia Clark’s sensorial objects, or Lygia Pape’s Divisor. However, Walther’s activation should not be interpreted in a performative sense, since the action and movement are not intended for an audience. When the pieces are activated, the action implies a moment of presentation, not representation.

Together with action, language is another of the tools used by Franz Erhard Walther to redefine the work of art. This places him within a genealogy stemming from Mallarmé and extending up to concrete poetry. In his case, the artist resorts to his profound knowledge of the history of typography to represent the word as working material, from the drawings of his Wortbilder [Word Pictures] series to the reinvention of typographic forms revealed in his sculptural alphabets, volumes which invite the viewer to discover their legibility in space and interact with them.

Activations

While the exhibition remains open, there will be activations of the exhibition copies (2014) of several of the elements which make up 1. Werksatz [First Work Set, 1963-1969], an emblematic work requiring audience participation into which the artist poured many of the essential ideas of his career.

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Lehmpfuhl: work in progress

FullSizeRender-2Dabei sein wenn Kunst entsteht: Bei Christopher Lehmpfuhl ist das auch ohne Atelierbesuch möglich. Zwar bleibt der Berliner Plein-Air-Maler an der Alster längst nicht mehr unerkannt, aber trotz zahlreicher Zaungäste, lässt er sich nicht davon abhalten, für seine im Herbst in der Fabrik der Künste stattfindende Solo-Show die frühlingshafte Abendstimmung über der Silhouette von Marien-Dom, über Elbphilharmonie bis hin zum Fernsehturm einzufangen. Beschwingt und mit einer Mischung aus Frühblühern und Ölfarbe in der Nase ziehe ich weiter und danke dem Künstler für diese wunderbaren Impressionen auf die schönste Stadt von ihrer besten Seite.IMG_1191 IMG_1250 „Lehmpfuhl: work in progress“ weiterlesen

Abschied von Peter Gilles

Peter Gilles, Blut, Acryl auf Papier, 100x70 cm, 2014
Peter Gilles, Blut, Acryl auf Papier, 100×70 cm

Ein Nachruf auf Peter Gilles von Professor Dr. Hartmut Kraft

Mit dem eigenen Blut gemalt

In seinem kunsthistorischen Grundlagenwerk schreibt Heinrich Wölfflin, die Künstler arbeiteten mit ihrem Herzblut. Das war zwar nur metaphorisch gemeint, aber tatsächlich haben einige wenige Künstler wie Hermann Nitsch oder Felix Droese mit ganz realem Blut gearbeitet. Mit dem eigenen Lebenssaft ausschließlich hat aber wohl nur der Kölner Künstler Peter Gilles seine Bilder gestaltet. Dazu bestrich er seinen Körper mit seinem Blut und druckte ihn auf großformatige Papiere und Leinwände. In einem zweiten Arbeitsschritt wurden diese „Autoanthropometrien“, wie der Künstler sie nannte, mit Farbe, Kohle oder Erde überarbeitet. Dramatische Geschichten von innerer Zerrissenheit, Gefährdung und Erlösung wusste er auf diese Weise in seinen Bildern zu erzählen.
Körperabdrucke kennen wir aus der Kunstgeschichte seit Yves Klein, der seine weiblichen Modelle sich mit blauer Farbe auf Leinwände abdrucken ließ. Abdrucke des eigenen Körpers mit dem eigenen Blut kennen wir aber nur von Peter Gilles. Fast alle seine Bilder waren Fragmente zur Klärung der eigenen Identität, es waren Selbstbefragungen. Tatsächlich hat Gilles nur selten etwas anderes gemalt oder gezeichnet als den eigenen Körper oder Teile des selben. Auf den ersten Blick ist dies nicht immer zu erkennen, da er den Bildzusammenhang oft verfremdete und sich zwischen Körperlandschaften einerseits und fast informell anmutenden Bildern andererseits bewegte. Immer waren es Fragen nach Grenzerfahrungen des Menschen, des eigenen Ichs, stellvertretend aber auch des Menschen allgemein. Wie belastbar ist der Mensch, wie verändert er sich unter Extrembedingungen, zum Beispiel, wenn er sich am Rand eines aktiven Vulkankraters befindet, wo Gilles zeichnete und die Brandlöcher auf seinen Blättern später vorzeigen konnte. Diese Fragen führten ihn zu Performances, in denen er sich vor Publikum extremen Belastungen aussetzte, die sich für ihn wie auch für sein Publikum oft an der Grenze des Erträglichen bewegten – und sich gerade deshalb um so mehr in die Erinnerung einbrannten.

Seine oft großformatigen Bilder der steten Selbstbefragung wurden in den 1980er Jahren von vielen Museen, Sammlern, gerade auch von Peter Ludwig erworben. Ausstellungen fanden u.a. im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen, Performances im Museum Ludwig in Köln und in mehreren Galerien statt. Seit Ende der 1990er Jahre war Peter Gilles zusammen mit seiner Frau Birgit Kahle und seinem italienischen Freund Giampiero Zanzi in einem deutsch-italienischen Künstlerprojekt „Lo Spirito del Lago“ am Lago Maggiore in Italien engagiert. Seine letzten großen Arbeiten und Rauminstallationen entstanden auf der Isola Bella und in Stresa.
Nach langer schwerer Krankheit ist der 1953 geborene Künstler am 2. März 2017 in seiner Heimatstadt Köln verstorben.

Hartmut Kraft „Abschied von Peter Gilles“ weiterlesen

Jannis Kounellis – Du wirst uns fehlen!

Wir verneigen uns vor einem der größten Bildhauer unserer Zeit. Häufig gewaltig, monströs und brachial, aber immer auch intelligent, sensibel und vielschichtig. Auch wenn Arte Povera nicht zu den am einfachsten zu vermittelnden Kunstrichtungen der Gegenwart zählt, ist Kounellis Werk immer ganz dicht bei den Menschen. Man braucht ihn nämlich nicht zu verstehen, man kann ihn fühlen. In der Skulptur war er ein Geschichtenerzähler und Poet. Am Donnerstag ging der große Mann der Armen Kunst im Alter von 80 Jahren in Rom voraus – sein Werk bleibt.

ARCHIV - Der griechische Künstler Jannis Kounellis steht am 30.10.2009 vor einem seiner Werke in der Ausstellung in Santander in Spanien. Er ist in seiner Wahlheimat Italien gestorben. (zu dpa Griechischer «Arte povera»-Künstler Kounellis ist tot vom 17.02.2017) Foto: Esteban Cobo/epa efe/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
ARCHIV – Der griechische Künstler Jannis Kounellis steht am 30.10.2009 vor einem seiner Werke in der Ausstellung in Santander in Spanien. Er ist in seiner Wahlheimat Italien gestorben. (zu dpa Griechischer «Arte povera»-Künstler Kounellis ist tot vom 17.02.2017) Foto: Esteban Cobo/epa efe/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++

BEUYS by Andres Veiel

Andres Veiel hat bei der Berlinale sein Meisterwerk neues vorgestellt! Mit höchster Sensibilität stellt er unter Beweis, das in Beuys ein ganzer Kosmos steckt und antwortet damit adäquat auf die erschreckend eindimensionale Biographie von H.P. Riegel aus 2013. Ein Hochgenuss nicht nur für Kunstfans und Cineasten. Diesen Film sollten Sie keinesfalls verpassen!

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Auktionsverlauf Benefiz-Auktion Überraschungsfrei

img_8630Die traditionelle Benefiz-Auktion der Hamburger Kulturstiftung verlief mit wenigen Ausreißern angenehm überraschungsfrei und sorgte somit für eine überwiegende Zuschlagdichte nahe den für die Veranstalter sicherlich zufriedenstellenden Tax-Preisen. Dafür verantwortlich war sicherlich der gute Mix zwischen spannenden jungen Positionen wie Katja Aufleger oder Gerrit Frohne-Brinkmann mit ebenfalls starken Losen etablierter Künstler wie Andreas Slominski oder Henrik Eiben. Der beeindruckend polyglotte und gejetlagte Auktionator Dr. Philipp Herzog von Württemberg von Sotheby`s hatte zwar offensichtlich beim Weg zum Pult einen angelsächsischen Bekannten im Auditorium entdeckt, so dass er seine Texte hälftig in diesem Idiom zum Besten gab, aber glücklicherweise sind die Hanseaten traditionell sprachgewandt genug, dass auch diese Hürde keine Abschläge auf die Zuschläge verursachte. Auffallend günstig und fern des Schätzpreises von 9 TEUR wurde mit 3 TEUR ausgerechnet eine Diptychon Frottage von Matt Mullican auf Leinwand im schönen Format von je 50 x 60 cm zugeschlagen. Auch bei diesem Los bleibt nur dem Besonnenen, der hier gerade die Hand oben hatte, als das Hämmerchen fiel zu gratulieren.

Marc Lüders Photopictur
Marc Lüders Photopictur
Andreas Slominski 'Einige Blätter'
Andreas Slominski ‚Einige Blätter‘
Stefan Marx 'Feelings Aren't Final'
Stefan Marx ‚Feelings Aren’t Final‘

Karin Kneffel: Cologne Fine Art-Preisträgerin 2016 

Mit Karin Kneffel erhält eine bedeutende Künstlerin den Cologne Fine Art-Preis, der jährlich gemeinsam vom BVDG und der Koelnmesse vergeben wird. 
photography © : achim kukulies, düsseldorf © karin kneffel 2016
photography © : achim kukulies, düsseldorf
© karin kneffel 2016

Der Cologne Fine Art-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird gemeinsam von der Koelnmesse und demBundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG) anlässlich der Cologne Fine Art vergeben. In einer Sonderschau werden dort ausgewählte Arbeiten von Karin Kneffel zu sehen sein. „Karin Kneffel: Cologne Fine Art-Preisträgerin 2016 „ weiterlesen