Beuys und der Humor

IMG_0275Das gute Kunst nicht zwingend teuer sein muss, stellt Edition Staeck aus Heidelberg seit Jahrzehnten unter Beweis. Deshalb vergisst der eine oder andere vielleicht gelegentlich einmal genau hinzuschauen. Dennoch lohnt die Suche insbesondere natürlich bei BEUYS. Exemplarisch sei hiermit das wunderbare ‚Plakat‘ Löwe genannt. Es kommt ohne Schrift aus und ist gestempelt (Hauptstrom) und natürlich signiert. Eine großartige Arbeit, die auf starkem Bütten umgesetzt Graphik-Charakter hat. Der zu Recht in im aktuellen Film von Andres Veiel über den Schamanen in den Fokus gerückte Humor kommt bei dem Werk nicht zu kurz. Ebenso hilft das Beuys-Zitat ‚Der Mensch spürt das die Tiere und Pflanzen seine Verwandten sind‘ mit einem Augenzwinkern beim dechiffrieren, dieser ja auch keinesfalls ausschließlich zum schmunzeln anregenden Arbeit. Auf 70 x 100 cm ist der Preis von 500 EUR außerordentlich günstig und es macht nicht nur Freude sondern ist sicherlich auch eine gute Kunstanlage in eines der wahrscheinlich letzten Blätter hiervon zu investieren.Bildschirmfoto 2017-08-14 um 15.42.43

Chateau La Coste – Kunst, Architektur & Wein

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Eine meisterliche Übersetzung seiner Gemälde gelang Sean Scully mit dieser 500 Tonnen schweren Monumental-Skulptur

Was für eine wundervolle Kombination. Dazu könnte man noch ergänzen, dass kulinarisch ein rundum beeindruckendes Programm in den drei Restaurants geboten wird. Das Chateau La Costa liegt etwa 20 Autominuten nördlich von Aix-en-Provence. Hier hat ein irischer Immobilien-Tycoon seinen Traum erfüllt und seine Leidenschaften unterschiedlicher Disziplinen derart gekonnt vereint, dass kein schöngeistiger Provence-Reisender diesen Ort missen darf. Sowohl in der Architektur, als auch in der bildenden Kunst werden hier die ersten Namen präsentiert. In den weitläufigen Weinbergen dieses historischen Chateaus entstehen also nicht nur der Tradition verbundene wunderbare Gaumenfreuden in weiß, rosé und rot, sondern auch Stararchitekten wie Frank O. Gehry oder Jean Nouvel haben hier futuristische Kontrapunkte setzen können. Wunderbar anachronistisch wirken zudem die Land-Art Werke der internationalen Künstlergemeinde, die hier augenscheinlich sehr freie Hand für Ihre Werke erhielten: Louise Bourgeois, Alexander Calder, Tracey Emin, Ai Weiwei, Richard Serra, Hiroshi Sugimoto oder auch ein sich mit seiner atemberaubenden 500 Tonnen Skulptur selbst übertreffender Sean Scully. Natürlich werden auch Editionen angeboten. Sowohl von Tracey Emin ist eine relativ fade und nichtssagende Graphik zu erwerben, als auch eine Mappe von Sugimoto, deren Aufrufpreis von sportlichen 9,500 USD Photofans beurteilen müssen. Hervorstechen tut der Japaner sicherlich durch zwei eher untypische Skulpturen, die auf dem Chateau präsentiert werden. Wenn vielleicht auch nicht für ein Kunstschnäppchen für die eigene Sammlung, so ist ein Besuch jedoch Balsam für die Seele und auch eine weitere Anreise alle mal wert.

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Alexander Calder
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Franz West

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Franz Erhard Walther – Hand/ Hände

FullSizeRender-1Diese Kleinstauflage von 25 Stoffobjekten in sieben unterschiedlichen Farben sollte sich kein Sammler entgehen lassen. Für nur 900 EUR gibt es eine typische Walther Nähung als Sockel für Hand oder Hände für eine oder zwei Personen. Zudem erhält man eine ebenfalls typische Walther Zeichnung. Der Preisträger des Goldenen Löwen von Venedig 2017 als bester Künstler thematisiert in dieser Arbeit seine zentralen Komplexe von Sockel und agierender Person und stellt die Frage nach dem fragmentarischen Charakter einer weiteren Arbeit, die erst durch die Aktivierung, also das (be-)nutzen des Objekts zum vollständigen Werk wird. Die sieben Farben stehen zudem repräsentativ für große Werkblöcke wie beispielsweise die Gelbmodellierung den Hamburger Raum (blau) oder Walthers Probenähungen.FullSizeRender IMG_3692 Continue reading

Christo: Floating Piers Unikat-Edition

Aufgrund der besonders kurzen Vorlaufzeit der Floating Piers in Iseo vor genau einem Jahr, gelten die unikatären Collagen zum diesem Projekt als besonders rar und demzufolge teuer. Benedikt Taschen präsentierte nun in der Fondation Beyeler am Rande der ART Basel in Anwesenheit des Meisters eine besonders charmante und preislich hoch attraktive Kleinstauflage. Tipp: Zuschlagen.
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Lieblose Haring Fälschungen im Auktionsmarkt

Bildschirmfoto 2017-06-10 um 00.22.45Halte Abstand – bleib gesund. Schön sind sie, seine seltenen farbenprächtigen Siebdrucke mit kleinen crawling babies zur Signatur. … – .. wenn sie authentisch sind. Bei diesem römischen Auktionshaus stimmt leider gar nichts. Nicht einmal das Verständnis für die gestalterische Präzision Harings. Warum hätte er mit seinem sicheren Strich eine Gefälligkeitssignatur mitten im Bild platzieren sollen? Vom fehlenden sicheren Strich ganz zu schweigen. Das ‚K‘ setzt sich bei ihm aus zwei und nicht aus drei Strichen zusammen und auch der Rest der Signatur weist signifikante Fehler auf . Schlimm das der Kunstmittler hier sogar noch auf unterschiedliche Referenzen verweist, die zwar für das Blatt, aber aber keinesfalls für die ‚Künstlerzeichnungen‘ zutreffen. Angelegt sind sie schon deshalb mindestens irritierend, da ein Verweis auf die ehemalige Estate Chefin Julia Gruen für ein Plakat nicht nur unnötig sondern sogar albern wäre. Wer es böse interpretieren wollte würde einem Betrugsversuch wittern, schon aufgrund der hohen Taxe. Sicherlich meint dieses italienische Auktionshaus es jedoch anders.

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Weltstar Franz Erhard Walther

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Darüber wie man in den 50er Jahren den partizipativen Charakter seines Werkes in Deutschland beurteilte gab und gibt Walther sich keiner Illusion hin. Ein halbes Jahrhundert später nimmt er es mit einem Lächeln, schließlich führte ihn diese Erkenntnis direkt nach New York und bereits 1969 ins Moma.

FullSizeRender-2Der internationale Trubel durch die Ehrung zum ‚Besten Künstler‘ der 57. Biennale mit dem Goldenen Löwen ist noch nicht abgeklungen und schon geht es für Franz Erhard Walther mit einer der wichtigsten deutschen Ehrungen, dem Aachener Kunstpreis weiter. ‚Es ist fast ein bisschen viel‘ gibt der 77-jährige am Rande der Veranstaltung zu Protokoll, um auch gleich mit einem freudigen Lachen erkennen zu geben, dass ihn die immer weiter ansteigende Beachtung und Würdigung für sein komplexes Werk über die Maßen erfreut. Zudem merkt man ihm an, dass es seinen Schaffensdrang noch mehr anspornt und er sich bereits wieder auf das in den Weinbergen von Fulda idyllisch gelegene Atelier freut. Bemerkenswert ist die maximale Unaufgeregtheit, mit der er kurz vor der Verleihung den Gästen nahezu intuitiv eine Werkvorführung bietet. Mit spielerischer Leichtigkeit gelingt es ihm seine zentralen Fragen von ‚Sockel und Werk – Lager- und Werkform‘ plastisch begreifbar zu machen. Eine Wandformation bliebe ohne den Benutzer Fragment, würde aber gleichzeitig durch die Nutzung durch den Perspektivwechsel des Betrachters abermals zum Fragment, da sie durch ihn somit nicht mehr ganzheitlich erfahrbar sei. Belohnt werden würde er jedoch mit der Werkerfahrung. Richtig oder falsch? Sicherlich eine Frage, die jeder selbst am einfachsten durch das Erleben seiner Wandformationen oder auch Schreitstücke beantworten kann. ZKM Direktor Professor Peter Weibel scheute in seiner Laudatio dann auch nicht davor zurück Walther in einem Atemzug mit Brancusi und Duchamp zu den großen Revolutionären der zeitgenössischen Skulptur zu erheben. So ist es also ratsam keine Gelegenheit auszulassen, den Meister persönlich bei einer Aktivierung zu erleben. Das Werk Walthers ist nicht nur direkt erfahrbar, sondern jede Praxis sticht hier die Theorie. Chancen dazu gibt es derzeit genug, da zahlreiche große Häuser ihre häufig sehr frühen Ankäufe aktuell aus den Magazinen holen und stolz in die ersten Reihen rücken. Eine entsprechende Würdigung des Marktes erfolgt bereits in der aktuellen Auktionsrunde, auch wenn die Preise hier noch immer sehr moderat sind. Ein Einstieg ist auch im einstelligen Tausender Segment noch bei Werkzeichnungen sowie den häufig herausragenden Multiples möglich. Derzeit sind kontinuierlich Ausstellungen auf Tour und für dieses und das kommende Jahr scheint hier auch vorerst kein Ende in Sicht. Klare Indikatoren, dass auch der Markt nur eine Richtung kennen wird – nach oben. Also: Ehre wem Ehre gebührt und abermals Glückwunsch an den großen Franz Erhard Walther.IMG_4428 Continue reading

Bemerkenswertes bei Grisebach

Bildschirmfoto 2017-06-03 um 11.03.55Grundsätzlich dürfen sich die Berliner über einen sehr erfolgreiche Auktion für zeitgenössische Kunst freuen. Auffällig sind sicherlich die gut verdreifachten Taxen bei einem starken großformatigen Pfahler sowie bei einer Glasvase von Dreher. Die bereits hohen Erwartungen einer zentralen dithyrambischen Arbeit von Lüpertz wurden ferner gedoppelt. Auch Jorinde Voigt kann ihre Taxe bei einer musealen Arbeit aus dem für ihren kometenhaften Aufstieg relevanten Jahr 2006 zu Recht verdoppeln. Eher unverständlich ist das Verschmähen einer ’69 er geometrischen Abstraktion von Gaul, insbesondere vor dem Hintergrund des Ankaufs der Freunde für das Museum Ludwig auf der Art Cologne und der damit erneut unterstrichenen Wiedererlangung der Bedeutung des Künstlers. Bildschirmfoto 2017-06-03 um 11.01.58 Continue reading

K.O. Götz – Ein Wiedersehen nach 50 Jahren?

Bildschirmfoto 2017-05-30 um 18.11.28Könnten die Werke uns doch an ihren Geschichten teilhaben lassen. Betrachtet man die beiden gleich großen (Messungenauigkeiten in den Auktionshaus-Angaben bitte vernachlässigen) Rakelbilder von Karl Otto Götz aus 1963 kommt einem sofort die Frage in den Sinn: Sind sie am selben Tag entstanden? Vielleicht sogar zur selben Stunde oder gar parallel? Es könnte ein Strich sein, aus dem Blatt an Blatt durch die Hand des vor über 50 Jahren bereits knapp 50 jährigen Meister des deutschen Informel, diese beiden dynamischen schwarz-weiß Kompositionen entstanden sind. Nun kommen Sie in den beiden Vorzeige-Auktionshäusern Van Ham, Köln und Villa Grisebach, Berlin in ihren jeweiligen Juni-Auktionen zum Aufruf. Ob sie aus Gründen des Marktes zur Einlieferung getrennt wurden oder zufällig zeitgleich in den Kunstmarkt entsandt werden, wird wohl kaum zu erfahren sein. Für einen eifrigen Sammler besteht jedoch die spannende Chance diese beiden mit jeweils um 10 TEUR moderat taxierten Arbeiten wieder in der eigenen Sammlung zusammen zu führen. Ob erstmals nach über einem halben Jahrhundert oder nach einer kurzen Trennungsphase bleibt ungewiss. Dennoch: Verdient hätten sie es und einen Versuch ist es sicherlich wert!Bildschirmfoto 2017-05-30 um 18.11.52 Continue reading

Bester Künstler: Franz Erhard Walther!

IMG_2005Die Biennale in Venedig ehrt Franz Erhard Walther als besten Künstler der 57. Biennale in Venedig. Eine weitere goldene Großkatze kann die erst 39-jährige Anne Imhof für den besten nationalen Beitrag, sprich die Länderpavillons erbeuten. Glückwunsch an die beiden Preisträger und Dank für die höchste Ehre, die hiermit abermals den deutschen Anspruch auf die Vorherrschaft in der internationalen zeitgenössischen Kunstszene bekräftigt.

Der deutsche Künstler Franz Erhard Walther steht vor seinem Werk auf der Kunst-Biennale in Venedig, Italien, am 10.5.2017. (zu "Franz Erhard Walther auf Biennale: Kunst ist immer hochpolitisch" vom 11.05.2017) von Annette Reuther Foto: Annette Reuther/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Der deutsche Künstler Franz Erhard Walther steht vor seinem Werk auf der Kunst-Biennale in Venedig, Italien, am 10.5.2017. (zu „Franz Erhard Walther auf Biennale: Kunst ist immer hochpolitisch“ vom 11.05.2017) von Annette Reuther Foto: Annette Reuther/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++

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